Drum prüfe wer sich ewig bindet

Wer die Anschaffung eines Kontrabasses ins Auge fasst, wird feststellen, dass der Einstieg schon nicht ganz billig ist.

Man unterscheidet zwischen Sperrholzbässen, halbmassiven – also welchen, bei denen die Decke aus massiver Fichte ist – und Massivholz-Bässen, bei denen der gesamte Korpus aus massivem Holz hergestellt ist.

Aber das allein ist nicht das einzige Kriterium; so ist zum Beispiel ein guter Halbmassiver besser als ein schlechter Massivholz-Bass. Wer also anfängt, sollte sich klar machen, dass allein das Holz für einen Kontrabass schon nicht billig ist und dass bei außergewöhnlich günstigen Angeboten oft Vorsicht geboten ist. Manche großen Musikhäuser bieten Kontrabässe zu erstaunlichen Preisen an, doch der/die unerfahrene Musiker/in stellt nach kurzer Zeit fest, dass das schöne neue Instrument faktisch nicht spielbar ist. Die Saiten liegen unendlich hoch und klingen nach Pappkarton, trotzdem scheppern sie aufs Griffbrett, der Stachel versenkt sich nach und nach während des Spielens und die Mechanik hält die Stimmung nicht – Qualität hat eben einfach einen Preis!

Aus über 25-jähriger Erfahrung rate ich, dass man bei jedem Gebrauchtkauf oder eben bei den schon erwähnten Fabrikbässen ein komplettes Setup (d. h. die Griffbretthohlkehle erstklassig abrichten, den Stimmstock neu einpassen, einen neuen Steg aufpassen) und einen guten Satz Saiten zum Anschaffungspreis hinzurechnet. Dann relativiert sich schon so manches „Sonderangebot“.

Gerade die bei Ebay angebotenen billigen Bässe aus China – massiv mit Ebenholzgriffbrett für € 1.000,- (!) – folgt der ersten Freude über das schöne Instrument und die positive Bewertung des Verkäufers oft bald das dicke Ende: Ebenholzgriffbrett – ja, aber 3.Wahl, nicht abrichtbar, der Stachel fängt an zu klappern, die Mechaniken klemmen, der Stimmstock ist deutlich zu spüren, die F-Löcher eingefallen, im übelsten Fall gar Risse in der Decke. Da wurde dann einfach „Grünholz“ verarbeitet. Schade, da wird Raubbau am tibetanischen Ahorn getrieben und am Ende ist es nur noch Brennholz – welche Materialverschwendung! Also wenn alles gemacht wird im Laufe der ersten 2 Jahre (die oft miese Verarbeitung im Innern bleibt natürlich!), hätten Sie einen meiner Junior-Bässe mit Service und Garantie billiger bekommen. Sie Glauben das nicht? Hören Sie sich um, das werden viele bestätigen!

Aber mal konkret: Wenn’s denn ein Sperrholzbass sein muss, sollte er wenigstens ein Ebenholzgriffbrett haben. Wenn er dann noch gut eingerichtet ist, ist er schon brauchbar, sollte aber nicht mehr als 1500 Euro kosten.

Wirklich interessant sind für den Anfänger halbmassive Instrumente. Da Schall in Fichtenholz längs zur Faser etwa doppelt so schnell weitergeleitet wird wie quer zur Faser und da jede Querschwingung in den F-Löchern ins Leere läuft, erhält der Bass sein spezielles Timbre nur durch die Längsschwingungen der Decke. Der Boden arbeitet ähnlich einer Blattfeder (die Postkutschen in Westernfilmen haben auch solche) und „federn“ tut Sperrholz erst mal nicht schlechter. Daher gibt es hervorragend klingende Halbmassive. Da aber die meisten doch fabrikmäßig hergestellt werden, erreichen sie klanglich meistens nicht die Oberklasse. Wenn sie aber optimal eingestellt sind, machen sie schon richtig Spaß und sind schon „richtige“ Kontrabässe.

Die günstigen Massivholz-Bässe kommen in der Regel auch aus Instrumentenfabriken. Da lohnt es sich meist, das noch günstigere halbmassive Instrument zu kaufen, da es faktisch genauso aussieht und auch nicht schlechter klingt. Bei den Massiven will ich auch ein wenig auf die Frage Flachboden oder Rundboden eingehen.

Der runde, gewölbte Boden ist eine selbsttragende Konstruktion, während der flache in der Regel von geringerer Holzstärke ist und daher Querbalken aufgeleimt sind. Meistens haben diese im Oberbug einen Knick. Diese sogenannte Bruchkante erfüllt die gleiche Aufgabe wie die Wölbung bei einem runden Boden. Gerade bei älteren Instrumenten kann man feststellen, dass diese Kante schon tief eingefallen ist. Dann sollten Sie sich die Balken genauer ansehen. Sind sie lose, sind sie nachträglich schon einmal verleimt worden, sind sie in die „Reifchen“ eingeleimt worden und haben gar die Zargen auseinander gedrückt? Gerade bei alten Bässen kann man hier ein böses Erwachen erleben und eine aufwändige Reparatur ist nötig. Auch wenn der Boden viele Risse aufweist, sollte deren Reparatur kritisch in Augenschein genommen werden, denn wenn’s beim Spielen anfängt zu „Summen“ nervt das ziemlich. Wir wollen doch Bass spielen und nicht Bienen züchten.

Klanglich ist der Streit ob Flach- oder Rundboden wie der um des Kaisers Bart. Flachboden-Bässe klingen am Ohr oft leiser, tragen aber kraftvoll bei weiteren Entfernungen. Rundboden-Bässe haben am Ohr oft viel mehr Kraft ohne besser zu tragen. Alles andere ist dann doch von Bass zu Bass völlig verschieden.

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